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Deutsche Banken hinken bei der Erholung noch hinterher 

Deutsche Banken hinken bei der Erholung noch hinterher 

Hohe Kostenquote von 75%, durchschnittliche Kapitalrendite von 4,0% - McKinsey-Report analysiert fast 1.600 deutsche Banken unter Verwendung von Bundesbank-Daten 

DÜSSELDORF. Die deutschen Banken haben in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der Gesundung ihrer Geschäftsmodelle und Bilanzen erzielt, hinken im internationalen Vergleich aber weiter hinterher. Quer über die drei Säulen des heimischen Bankensystems hinweg (Privatbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken) liegt die Kostenquote (cost income ratio) bei 75% – und damit höher als in allen anderen von der Unternehmensberatung McKinsey & Company untersuchten Ländern in der neuen Studie „The road to success – Perspectives on German banking“. Binnen drei Jahren ist die Kostenquote in Deutschland sogar um sechs Prozentpunkte gestiegen. Führend hier sind die Banken in Schweden mit einer Quote von 50% und einem erreichten Rückgang um fünf Prozentpunkte. 

Der Ertrag aufs Eigenkapital (Return on Equity, RoE) erreichte in Deutschland durchschnittlich 4,0%, verglichen mit 14,6% in Schweden, 9,0% in den USA oder 7,3% in Japan. Die Gewinnsumme (Profit Pool) des deutschen Bankensektors ist seit 2011 um 24% gesunken. Philipp Koch, McKinsey-Seniorpartner in München und Leiter der Bankenberatung in Deutschland: „Die hiesigen Banken haben strukturelle Kostenprobleme und insgesamt noch viele Aufgaben zu bewältigen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.“   

Der Vergleich zwischen den verschiedenen Säulen des Bankensystems zeigt, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken in den vergangenen Jahren mit je 10% RoE am besten abgeschnitten haben. Privatbanken stehen nur noch für 20% der im Sektor insgesamt erzielten Gewinne. Bausparkassen erreichen 7% RoE, Immobilienfinanzierer, Deutschlandtöchter ausländischer Privatbanken und Entwicklungsbanken je 3%. Heimische Privatbanken schafften nur einen RoE unter 1%, Landesbanken 0%. Max Flötotto, McKinsey-Partner in München und Koautor der Studie: „Seit dem Jahr 2000 ist zwar die Anzahl der Banken von 2.700 auf 1.600 gesunken, doch das Tempo der Konsolidierung hat zuletzt nachgelassen, so dass der Druck nach wie vor hoch ist.“  

Wie die Rückkehr zum Ertrag gelingen kann

„Schaut man sich an, was erfolgreiche Banken anders gemacht haben, dann zeigt sich: Den Blick auf Wachstumschancen mit einem effektiven Kostenmanagement zu kombinieren verspricht mehr Erfolg als Kostensenkung allein“, sagt Ursula Weigl, McKinsey-Partnerin in München und Koautorin der Studie. Die Institute sollten eine Modernisierung ihrer Geschäftsmodelle anhand von drei Aspekten prüfen: 
Einen messerscharfen Kundenfokus entwickeln. Ursula Weigl: „Die Daten zeigen, dass Banken, die ein besseres Kundenerlebnis bieten, schneller wachsen und mehr Loyalität genießen.“ 
Kundendaten besser nutzen. Banken haben Zugang zu immens großen Beständen an Transaktions- und Personendaten. Mit künstlicher Intelligenz und Analytics lassen sie sich auswerten, um Betriebskosten, Risikopositionen und Compliance zu verbessern. Gleichzeitig lassen sich mit besserer Datennutzung auch höhere Umsätze erreichen. 
Digitale Vertriebskanäle ausbauen. Digitaler Vertrieb ist deutlich produktiver, wenn er richtig genutzt wird. Max Flötotto: „Die Bereitschaft der Kunden, ihre Bankgeschäfte digital abzuwickeln, ist höher, als viele im Markt glauben.“