Climbing higher: Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Wandel sichern

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Neue Studie von McKinsey und der Swiss-American Chamber of Commerce zeigt die Schlüsselrolle multinationaler Unternehmen für die Schweizer Wirtschaft und benennt basierend auf einer Befragung von Unternehmensleitenden konkreten Handlungsbedarf zur Sicherung der langfristigen Standortattraktivität im internationalen Wettbewerb.

Zürich, 02. September 2026 – Multinationale Unternehmen machen zwar nur 6 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz aus, erwirtschaften jedoch 42 Prozent des Schweizer BIP und tragen seit 2014 zu drei Vierteln des nominalen Wirtschaftswachstums bei. Die Schweiz ist heute trotz globaler disruptiver Dynamiken produktiver denn je. Gleichzeitig sehen sieben von zehn befragten CEOs gegenüber globalen Hubs eine Verschlechterung in mindestens drei zentralen Standortfaktoren – insbesondere bei Regulierung, Steuern und Infrastruktur. Zugleich gewinnt die Schweiz bei Forschung und Entwicklung sowie im Technologiesektor an Bedeutung, verliert jedoch bei globalen Hauptsitzfunktionen an Boden.

Die Verschiebung ist bereits sichtbar: Die Schweiz gewinnt bei Technologie und Künstlicher Intelligenz an Bedeutung und steigert ihren Anteil an Um- und Neuansiedlungen von Unternehmenshauptsitzen von 15 auf 22 Prozent. Gleichzeitig verliert sie in Pharma & Healthcare (46 auf 32 Prozent) sowie Industrie (27 auf 16 Prozent). Insgesamt bleibt die Schweiz Europas führender Standort für Forschung und Entwicklung, zieht aber weniger globale Hauptsitze und Steuerungsfunktionen an als früher.

«Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz ist kein Selbstläufer mehr. Unsere CEO-Befragung zeigt: Die Frage ist nicht mehr, ob wir attraktiv bleiben, sondern ob wir die Bedingungen aktiv pflegen, die diese Attraktivität ausmachen», sagt Michael Steinmann, Managing Partner von McKinsey Schweiz. «Multinationale Unternehmen sind dabei ein Frühwarnsystem: Wenn Investitionsentscheide zunehmend zugunsten anderer Hubs fallen, ist das ein wichtiges Signal für die langfristige Standortqualität.»

Besonders kritisch beurteilen die CEOs drei Faktoren: die «Ease of Doing Business» mit regulatorischer Komplexität und Geschwindigkeit (rund 70 Prozent sehen eine Verschlechterung), das steuerliche Umfeld nach der OECD-Mindestbesteuerung (65 Prozent) sowie Infrastrukturengpässe (60 Prozent). Rund 80 Prozent vergleichen die Schweiz nicht mehr nur mit europäischen Standorten, sondern mehr mit globalen Hubs wie den USA, Singapur und den Emiraten. Bei Talent, politischer Stabilität und Forschungsstärke bleiben die Werte hingegen hoch – mehr als 85 Prozent stufen Talent und Innovation weiterhin als Kernstärke ein.

Tempo als kritischer Standortfaktor

Nach Einschätzung der CEOs entsteht der grösste Wettbewerbsnachteil nicht durch einzelne Regulierungen, sondern durch die Summe vieler kleiner Verzögerungen – von langen Bewilligungsverfahren für Investitionen in Infrastrukturprojekte oder Arbeitsbewilligungen für externe Talente. Gleichzeitig verschärfen geopolitische Spannungen, neue Handelsbarrieren, Unsicherheiten im Verhältnis zur EU, die OECD-Mindestbesteuerung, eine aktivere US-Handelspolitik und der starke Franken den Wettbewerbsdruck zusätzlich.

Dr. Rahul Sahgal, CEO der Swiss-American Chamber of Commerce, betont: «Die Schweiz kann grössere Volkswirtschaften nicht mit Marktgrösse oder Subventionen ausstechen – aber sie kann sie mit Leistung, Schnelligkeit und Verlässlichkeit übertreffen. Diesen Vorteil müssen wir wieder gezielt nutzen. Dafür braucht es schnelleres Handeln sowie ein klares und konsequentes Bekenntnis zu wirtschaftlichem Wachstum - denn ohne Wachstum lässt sich unser heutiger Wohlstand nicht bewahren.»

Fünf Handlungsfelder – Handeln statt abwarten

Der Report identifiziert fünf zentrale Handlungsfelder: internationale Talente, regulatorische Prozesse, steuerliche Planbarkeit, Infrastruktur sowie die strategische Positionierung der Schweiz gegenüber der EU, den USA und Asien. Ein starker Wirtschaftsstandort zeichnet sich gemäss den Autoren nicht durch Deregulierung um jeden Preis aus, sondern durch wirksame, verhältnismässige und planbare Rahmenbedingungen, die Innovation, Investitionen und Wachstum ermöglichen.

«Die Schweiz braucht keine Neuerfindung – sie braucht die konsequente Pflege genau jener Stärken, die sie zur attraktivsten Volkswirtschaft Europas gemacht haben. Entscheidend ist, dass wir uns nicht auf den bisherigen Erfolgen ausruhen. Der langfristige Wohlstand der Schweiz hängt von wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen für international tätige Unternehmen ab. Wenn wir Geschwindigkeit verlieren, verlieren wir Relevanz», schliessen Steinmann und Sahgal.

Faktenbox: Die Bedeutung multinationaler Unternehmen für die Schweiz

  • Rund 6 % aller Unternehmen sind multinationale Konzerne.
  • Sie stellen 33 % der Arbeitsplätze und erwirtschaften 42 % des Bruttoinlandprodukts.
  • Seit 2014 entfielen 75 % des nominalen BIP-Wachstums auf multinationale Unternehmen.
  • Sie tragen zu mehr als der Hälfte der Einnahmen aus der direkten Bundessteuer auf Unternehmensgewinnen bei.
  • Seit 2020 haben Hauptsitzansiedlungen schätzungsweise 20’000 direkte und indirekte Arbeitsplätze geschaffen.
  • Diese Ansiedlungen generieren jährlich rund CHF 6,4 Milliarden zusätzliche Wirtschaftsleistung und CHF 1,3 Milliarden zusätzliche Steuereinnahmen.

Die gesamte Studie «Climbing higher. Securing Switzerland’s competitiveness in a changing landscape» ist abrufbar ab dem 2. September, 8.00 Uhr unter diesem Link.


Über den Report

Der Report «Climbing higher» analysiert die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im internationalen Standortwettbewerb. Er ist die Nachfolgestudie zu «Switzerland Wake Up» (2019) von McKinsey und der Swiss-American Chamber of Commerce. Methodik: Die Studie stützt sich auf drei Säulen: (1) eine proprietäre Datenbank mit Hauptsitzverlagerungen grosser Unternehmen (Jahresumsatz >CHF 1 Mrd.) in fünf europäischen Standorten (Schweiz, Irland, Niederlande, Luxemburg, Grossbritannien) über den Zeitraum 2014–2025, basierend auf über 200 länderspezifischen Primärquellen; (2) quantitative Analysen zur volkswirtschaftlichen Rolle multinationaler Unternehmen auf Basis von Daten des Bundesamts für Statistik und der Eidgenössischen Finanzverwaltung; (3) mehr als 60 strukturierte Interviews mit CEOs und Führungskräften multinationaler Unternehmen und Institutionen in der Schweiz und im Ausland, in denen Standortfaktoren nach Wichtigkeit und relativer Leistung bewertet wurden.

Über McKinsey

McKinsey ist eine weltweit tätige Unternehmensberatung, die Organisationen dabei unterstützt, nachhaltiges, integratives Wachstum zu erzielen. Wir arbeiten mit Klienten aus dem privaten, öffentlichen und sozialen Sektor zusammen, um komplexe Probleme zu lösen und positive Veränderungen für alle Beteiligten zu schaffen. Wir kombinieren mutige Strategien und transformative Technologien, um Unternehmen dabei zu helfen, Innovationen nachhaltiger zu gestalten, dauerhafte Leistungssteigerungen zu erzielen und Belegschaften aufzubauen, die für diese und die nächste Generation erfolgreich sein werden. In der Schweiz hat McKinsey Büros in Zürich und Genf. Weltweit arbeiten McKinsey-Teams in mehr als 130 Städten und 65 Ländern. Gegründet wurde McKinsey 1926, die erste Schweizer Niederlassung öffnete 1961. Globaler Managing Partner ist seit 2021 Bob Sternfels. Managing Partner für die Schweiz ist seit 2022 Michael Steinmann.

Über die Swiss-American Chamber of Commerce

Die Swiss-American Chamber of Commerce (Swiss AmCham) ist der grösste Verband multinationaler Unternehmen in der Schweiz. Sie befasst sich mit Fragen zum freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Investitionen zwischen der Schweiz und den USA. Dazu zählen steuerliche und regulatorische Themen, Doppelbesteuerungsabkommen, Handel, Einwanderung, Arbeitsbewilligungen, Investitionsschutz, diskriminierungsfreier Marktzugang sowie Informationen zu den Besonderheiten beider Märkte. Zugleich vertritt sie die Anliegen multinationaler Unternehmen in der Schweiz – unabhängig von Herkunft oder Grösse – und stärkt damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Die Swiss AmCham informiert relevante Akteure, schafft Netzwerke und vertritt prioritäre Anliegen gegenüber Politik, Verwaltung, Medien, Diplomatie und Wirtschaft. Dabei arbeitet sie eng mit verwandten Verbänden zusammen. Staatliche finanzielle Unterstützung erhält sie nicht.

Kontakt für Medienschaffende

Yannick Orto, Head of Communications McKinsey Switzerland

+41 79 477 87 77, yannick_orto@mckinsey.com

Dr. Rahul Sahgal, CEO Swiss-American Chamber of Commerce

rahul.sahgal@amcham.ch